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Spotify: Künstler beklagen sich, und bleiben trotzdem loyal
Das Vergütungsmodell von Streaming-Plattformen sorgt regelmäßig für Kritik und ruft nun auch die Politik auf den Plan.
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Spotify: Das Vergütungsmodell von Streaming-Plattformen sorgt regelmäßig für Kritik und ruft nun auch die Politik auf den Plan. Künstler wie Herbert Grönemeyer, Balbina und Data erreichen über Spotify & Co. ein Millionenpublikum, was aber nicht heißt, dass sich das finanziell entsprechend lohnt. Musikstreaming boomt, und doch sind die Tantiemen ungleich verteilt.
Das will Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ändern und hat zu insgesamt drei runden Tischen mit Akteuren der Musikbranche eingeladen. Nach Gesprächen mit Kreativen im Dezember 2025 hat er nun Vertreter der Majorlabels Warner, Universal und Sony an einen Tisch geholt, um über das prekäre Tantiemen-Modell zu sprechen.
Vergütungsmodell von Streaming-Plattformen in der Kritik
In der Vergangenheit gab es immer mal wieder Stimmen aus der Musikbranche, nach denen das Erlösmodell der bekannten Streaming-Plattformen unfair sei. Das liegt an dem zugrundeliegenden Konzept, nach dem alle Einnahmen aus Premium-Abos und Anzeigen in einen großen Topf fließt.
Anschließend wird das Geld nach Marktanteilen verteilt. Dabei erhalten die Künstler mit den meisten Streams den größten Anteil. Dieses Prinzip wird auch Pro-Rata-System genannt. Abonnenten, die also monatlich für einen Streaming-Account zahlen und selbst nur lokale Indie-Bands hören, finanzieren dessen ungeachtet auch Superstars wie Taylor Swift.
Viele Künstler beklagen sich, und bleiben trotzdem loyal
Die Berliner Sängerin Balbina kritisiert dieses System scharf: „Unter ein Prozent der Künstler, die auf diesen Plattformen stattfinden, verdienen 90 Prozent des Geldes“, sagt sie. Alle anderen, die nicht ständig geklickt würden, gingen im System weitgehend leer aus. Musik dürfe nicht danach bewertet werden, wie oft sie im Hintergrund läuft, sondern danach, ob Menschen sich bewusst für einen Song entscheiden, so Balbina.
Damit aber nicht genug, laut einer Studie der Beratungsfirma Goldmedia im Auftrag der GEMA erhalten die Majorlabels mehr als 42 Prozent der Streaming-Erlöse, während die Plattformen knapp 30 Prozent behalten. Für die Kreativen bleiben nur rund 22 Prozent übrig.
US-Plattform Tidal zahlt doppelt so viel wie Primus Spotify
Das hat sich seit Jahren so etabliert, obwohl es auch anders geht: Anbieter wie das französische Qobuz oder die US-Plattform Tidal zahlen laut Künstlerangaben rund 0,7 Cent pro Stream – mehr als doppelt so viel wie Branchenprimus Spotify, der nach Schätzungen von Musikverlagen und Künstlern im globalen Durchschnitt etwa 0,3 Cent zahlt, aber auch deutlich weniger, je nach Verbreitungsgebiet der Streams und Abonenntengruppe.
Spotify habe signalisiert, über Änderungen zu sprechen, doch aus ihrer Sicht blockieren vor allem die Labels den Umbau des Systems. Florian Drücke, Chef des Bundesverbandes Musikindustrie, hat den Vorwurf der unfairen Vergütung nach dem jüngsten runden Tisch zurückgewiesen.
Täglich bis zu 120.000 neue Songs bei Streaming-Dienst
Drücke verweist auf das Risiko: „Die Seite der Investoren wird viel zu oft vergessen. Unsere Mitglieder investieren, sie gehen ins Risiko.“ Das Streamen von Musik habe der Branche zwar wieder Wachstum gebracht. Der harte Wettbewerb sei aber das eigentliche Problem, argumentiert er. Jeden Tag würden rund 120.000 neue Songs bei Spotify hochgeladen.
Wenn das System derart schief ist, drängt sich schnell eine Frage auf: Warum kehren Künstler Spotify nicht einfach den Rücken? Sängerin Dota sagt: Ein Boykott käme einem finanziellen Suizid gleich. Die Berliner Liedermacherin findet klare Worte für das Streaming-Dilemma: „Den Schritt da wegzugehen, kann man nur einmal machen. Und dann schneidet man sich hauptsächlich ins eigene Fleisch.“ Spotify habe im Markt eine solche Macht erreicht, dass der größte Teil der Streaming-Erlöse trotzdem von dort komme – trotz der niedrigen Sätze.
Quellenangabe: Tagesschau
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