Ratgeber
Alter Laptop als Zweitgerät: Wiederbeleben statt wegwerfen
Der Laptop von 2017 liegt im Schrank, weil er beim Hochfahren zwei Minuten braucht und der Lüfter beim Öffnen des Browsers aufheult.
INHALTSVERZEICHNIS
Ratgeber: Der Laptop von 2017 liegt im Schrank, weil er beim Hochfahren zwei Minuten braucht und der Lüfter beim Öffnen des Browsers aufheult. Weggeworfen wird er trotzdem nicht, weil er im Grunde funktioniert. Genau dieses Gerät lässt sich mit zwei Handgriffen in einen brauchbaren Zweitrechner verwandeln.
Die Trägheit älterer Notebooks hat fast immer dieselben zwei Ursachen, nämlich eine mechanische Festplatte und zu wenig Arbeitsspeicher. Beides kostet zusammen weniger als achtzig Euro. Was danach noch fehlt, ist eine Entscheidung über das Betriebssystem.
Die Diagnose vor dem Kauf
Bevor Geld ausgegeben wird, klärt eine Viertelstunde am Gerät, ob sich der Aufwand lohnt. Fünf Punkte entscheiden.
Akku
Der Zustand des Akkus, ablesbar an der verbliebenen Kapazität im Vergleich zum Auslieferungszustand.
Datenträger
Die Art des vorhandenen Datenträgers, weil eine mechanische Festplatte der mit Abstand größte Bremsklotz ist.
Arbeitsspeicher
Die Menge und Erweiterbarkeit des Arbeitsspeichers, denn manche Geräte haben ihn fest verlötet.
Kühlung
Der Zustand der Kühlung, erkennbar an Staub in den Lüftungsschlitzen und an der Temperatur unter Last.
Betriebssystem
Die Verfügbarkeit von Treibern für das gewünschte Betriebssystem, insbesondere für Grafik und Netzwerk.
Der dritte Punkt entscheidet über die Wirtschaftlichkeit. Ist der Arbeitsspeicher verlötet und mit vier Gigabyte bestückt, bleibt das Gerät auch mit schnellem Datenträger eingeschränkt. Bei acht Gigabyte oder einem freien Steckplatz lohnt die Aufrüstung dagegen fast immer.
Der Datenträger als erste Maßnahme
Für ein sechs Jahre altes Notebook heißt das konkret, dass zwei weitere Nutzungsjahre einen erheblichen Teil der Herstellungslast amortisieren. Der Stromverbrauch älterer Geräte liegt zwar über dem aktueller Modelle, fällt bei einem Zweitgerät mit geringer Nutzungsdauer aber kaum ins Gewicht.
Der Wechsel von einer mechanischen Festplatte auf eine SSD ist die einzige Maßnahme, die man ohne Messung empfehlen kann. Startzeiten sinken von zwei Minuten auf unter zwanzig Sekunden, und das Nachladen beim Programmwechsel entfällt praktisch vollständig. Selbst eine ältere SATA-SSD genügt dafür, weil der Flaschenhals der alten Platte um ein Vielfaches enger war.
Beim Einbau lohnt der Blick auf die Bauhöhe. Ältere Notebooks nehmen Laufwerke mit sieben Millimetern Höhe auf, manche auch mit neun. Passende Rahmen liegen den meisten Laufwerken bei. Der Umstieg erfolgt sinnvollerweise über eine Neuinstallation statt über das Klonen, weil das alte System ohnehin Jahre an Ballast mit sich trägt.
Die Systemfrage
Damit stellt sich die Frage nach dem Betriebssystem. Erfüllt das Gerät die Anforderungen aktueller Windows-Versionen nicht, bleiben zwei Wege. Eine Windows 10 Lizenz für ein abgegrenztes Einsatzszenario ohne Internetzugang ist eine Möglichkeit, etwa für ein Gerät, das nur eine ältere Fachanwendung oder ein Musikprogramm bedient. Händler wie it-nerd24 führen die Versionen mit Angabe der Architektur, was bei älteren Geräten mit 32-Bit-Prozessor den Unterschied macht.
Wichtig ist eine ehrliche Einordnung des Sicherheitsaspekts. Ein System ohne laufende Aktualisierungen gehört nicht dauerhaft ans offene Internet. Für ein Gerät, das ausschließlich im Heimnetz Musik abspielt, Fotos verwaltet oder eine Steuerung bedient, ist das vertretbar. Für den Zugriff auf Onlinebanking oder Mail ist es das nicht.
Die Alternative ist ein schlankes freies System, das auch mit vier Gigabyte Arbeitsspeicher flüssig läuft und weiterhin Sicherheitsaktualisierungen erhält. Für Browser, Mail und Textverarbeitung genügt das vollständig, und die Treiberunterstützung für Hardware dieses Alters ist erfahrungsgemäß gut.
Warum sich der Aufwand ökologisch rechnet
Der größte Umweltanteil eines Notebooks entfällt auf die Herstellung, nicht auf den Betrieb. Das Umweltbundesamt fasst unter dem Stichwort Produkte länger nutzen zusammen, dass Reparieren statt Neukaufen Ressourcen spart und kurze Produktlebenszyklen die Umwelt unnötig belasten. Verwiesen wird dort auch auf das Umweltzeichen Blauer Engel, das Langlebigkeit und Reparierbarkeit von Elektronik zu seinen Vergabekriterien zählt.
Für ein sechs Jahre altes Notebook heißt das konkret, dass zwei weitere Nutzungsjahre einen erheblichen Teil der Herstellungslast amortisieren. Der Stromverbrauch älterer Geräte liegt zwar über dem aktueller Modelle, fällt bei einem Zweitgerät mit geringer täglicher Nutzung aber kaum ins Gewicht.
Kommt das Gerät am Ende doch nicht mehr infrage, gehört es in die Altgerätesammlung und nicht in den Restmüll. Händler ab einer bestimmten Verkaufsfläche nehmen kleine Elektrogeräte kostenlos zurück, unabhängig davon, ob dort gekauft wurde. Der eingebaute Akku wird dabei fachgerecht getrennt, was bei der Entsorgung über den Hausmüll unterbleibt.
Sinnvolle Zweitrollen
Ein wiederbelebtes Notebook findet leicht eine Aufgabe. Als kleiner Dauerläufer im Netzwerk übernimmt es Dateidienste oder Sicherungen, wofür sich auch dezentrale Verfahren eignen. Eine verständliche Einordnung dazu, wie P2P-Technik in der Praxis funktioniert, hilft beim Verständnis der zugrunde liegenden Verteilung, bei der Geräte direkt miteinander austauschen statt über eine zentrale Stelle.
Weitere bewährte Rollen sind der Zweitrechner am Esstisch für Rezepte und Videotelefonie, das Gerät für die Werkstatt, bei dem ein Kratzer nicht schmerzt, oder der Rechner für Kinder mit klar begrenztem Funktionsumfang. In allen drei Fällen ist die geringere Leistung kein Nachteil, weil die Aufgaben ohnehin bescheiden sind.
Für Unterhaltung reicht die Leistung ebenfalls weiter, als viele annehmen. Anwendungen für einfache dreidimensionale Darstellung stellen an den Hauptprozessor moderate Anforderungen, wie eine Übersicht zu Virtual-Reality-Apps für iOS und Android zeigt, bei der die eigentliche Rechenlast auf dem Mobilgerät liegt. Das alte Notebook dient dann als Verwaltungs- und Ladestation.
Vor der Übergabe an eine neue Rolle gehört das Gerät einmal gründlich gereinigt. Bei Notebooks dieses Alters sitzt der Staub als filzartige Schicht vor dem Kühler, und das Entfernen bringt regelmäßig zehn bis fünfzehn Grad weniger Temperatur unter Last. Damit endet auch das Drosseln der Taktrate, das viele fälschlich für einen Alterungseffekt des Prozessors halten.
Wann sich der Aufwand nicht lohnt
Drei Befunde sprechen gegen die Wiederbelebung. Ein defektes Scharnier oder ein gebrochenes Gehäuse macht das Gerät unbrauchbar, weil Ersatzteile für ältere Modelle kaum noch verfügbar sind. Ein aufgeblähter Akku gehört sofort fachgerecht entsorgt und nicht weiterbetrieben. Und ein verlöteter Arbeitsspeicher mit vier Gigabyte begrenzt jedes System spürbar.
In allen anderen Fällen ist die Rechnung eindeutig. Achtzig Euro für Datenträger und Speicher gegen mehrere hundert Euro für ein Einsteigergerät, bei einem Aufwand von rund zwei Stunden. Wer diese Zeit investiert, hat ein Gerät mit klarer Aufgabe und spart sich die Anschaffung, die ohnehin nur wenig mehr geleistet hätte.
Quellenangabe: AppGamers
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