Ratgeber
Warum das Streckenprofil bei einer Rennprognose so wichtig ist
Mit gerade einmal 20 Jahren hat Paul Seixas am 10. Oktober die 120. Lombardei-Rundfahrt im Alleingang gewonnen.
Ratgeber: Mit gerade einmal 20 Jahren und als jüngster Sieger in der Geschichte des Herbstklassikers hat Paul Seixas am 10. Oktober die 120. Lombardei-Rundfahrt im Alleingang gewonnen. Auf dem Weg nach Como distanzierte der Franzose von Decathlon CMA CGM ein Feld voller grosser Namen, von Remco Evenepoel bis Tom Pidcock. Entschieden hat dieses Rennen nicht die Startliste, sondern das Streckenprofil.
Dass ausgerechnet der Jüngste im Feld die etablierten Stars stehen liess, passt zu einer Strecke, die über 239 Kilometer und rund 4.600 Höhenmeter von Bergamo nach Como führte und ihre Entscheidung bewusst an die letzten, giftigen Rampen verlegte. Die Madonna del Ghisallo diente nur als Vorspeise, der kurze San Fermo della Battaglia als Warnschuss. Und der 4,2 Kilometer lange Civiglio mit fast zehn Prozent als Scharfrichter. Ein solches Finale sortiert ein Peloton härter, als es jede Rangliste je könnte.
Eine seriöse Rennprognose beginnt genau deshalb beim Höhenprofil und erst danach bei den Namen. Dieselbe Logik spiegelt sich im Wettmarkt wider, denn sobald das Finale happig ausfällt, rücken die Kletterspezialisten in den Einschätzungen nach vorn, lange bevor es die prominenten Favoritenlisten tun. Wer das Rennen aus Schweizer Sicht verfolgt, achtet dabei oft mehr auf die Quotenbewegung als auf die Siegerlisten, und die Feinheiten dieser Lesart schlagen sich in ganz unterschiedlichen Details nieder, etwa in vorteilhafteren Konditionen. Diese Marktdetails, die sich in besseren Quoten oder Boni wie einem bet365 promo code bilden ein hartes Höhenprofil oft früher ab als mancher Expertentipp. Der Markt liest das Terrain, nicht die Nachnamen.
Die nackte Ergebnisliste gab dieser Lesart umgehend recht. Hinter Seixas sprintete Enric Mas auf Rang zwei, 48 Sekunden zurück, knapp vor Giulio Ciccone. Evenepoel, einer der grössten Namen am Start, kam erst als Vierter ins Ziel, 1:20 Minuten hinter einem Profi, der erst im Vorjahr sein Monument-Debüt gegeben hatte. Prominenz allein war an diesem Tag keine brauchbare Währung.
Der eigentliche Beweis für die These stecke in den grossen Zeitabständen. 48 Sekunden auf den Zweiten und deutlich mehr als eine Minute auf den Vierten entstehen nicht in einem Massensprint, sondern an Steigungen, die jeden kleinen Formunterschied gnadenlos vergrössern. Im Flachen kaschiert der Windschatten solche Lücken, am Berg legt er sie schonungslos offen. Wer das Profil kennt, ahnt die Zeitabstände, bevor das erste Pedal getreten ist.
Ein Profil wie dieses verlangt zudem einen ganz bestimmten Fahrertyp, und zwar weder den besten Sprinter noch den stärksten Zeitfahrer, sondern den leichten, explosiven Kletterer, der eine zweistellige Steigung aus dem Sattel heraus attackieren kann. In diese Schablone passte Seixas punktgenau, viele der klangvolleren Namen eben nicht. Eine Prognose, die das Anforderungsprofil des Geländes mit den Stärken der einzelnen Fahrer abgleicht, kommt solchen Ergebnissen näher als jeder Blick in die Weltrangliste.
Pogacar fehlte diesmal, nachdem er den Klassiker fünf Jahre in Serie dominiert hatte. Schon vor dem Start drehte sich die Lombardei ohne Pogacar um die eine Frage, wer die Lücke füllt. Die Antwort gab nicht der prominenteste Kandidat, sondern jener Fahrer, dem die steilen Schlusskilometer am besten lagen. Wer eine Woche vorher allein nach Siegchancen auf dem Papier geordnet hätte, wäre bei den falschen Protagonisten gelandet.
Den entscheidenden Hebel setzte Seixas am Civiglio an, rund 19 Kilometer vor dem Ziel, dort wo die Strasse brutal nach oben kippt. Auf diesem einen Anstieg zerfiel das Rennen in Einzelteile, und keine noch so glänzende Vita half jenen, die den Rhythmus nicht mehr mitgehen konnten. Danach war das Finale eine Frage der Beine und der Nerven, nicht des Rufs.
Zufall war das keiner, sondern längst im Profil angelegt, denn die Vorschau zum Streckenprofil hatte die steilen Schlusskilometer früh als Schlüssel markiert. Wer vorab nur auf die Siegerlisten der Vergangenheit schaute, lag am Abend in Como deutlich daneben.
Über den gesamten Kalender hinweg wiederholt sich dieses Muster. Endet eine Etappe im Flachen, zählen das Team, der Lead-out und der schnellste Antritt, und die reinen Kletterer verschwinden anonym im Hauptfeld. Steht dagegen eine Bergankunft an, dreht sich die ganze Hierarchie, und mancher Sprintstar verliert plötzlich wertvolle Minuten. Pflasterklassiker wiederum belohnen Kraft, Erfahrung und Position im Feld, nicht reines Bergtalent.
Dass eine Prognose trotzdem zuerst die grossen Namen aufzählt, ist allzu menschlich, denn Siegerlisten prägen sich leichter ein als Höhenmeter und Prozentangaben. Doch ein Palmarès fährt die Rampe nicht von selbst hinauf, und eine starke Frühjahrsform zählt an einem kalten Oktobertag in den Voralpen herzlich wenig. Die Episode steht damit für einen Mechanismus, der im Radsport jedes Wochenende wirkt: Fällt eine Konstante wie Pogacar weg, entscheidet wieder das Gelände, und das Gelände kennt keine Reputation.
Historisch bleibt der Tag ohnehin, und das liegt am Alter des Siegers. Der Rekord, den der Lyoner als jüngster Sieger der Geschichte brach, reicht 121 Jahre zurück und unterstreicht die Lehre des Tages, dass an diesem Terrain Beine und Profilkenntnis zählen und nicht die Prominenz einer Startnummer. Dazu kommt, dass er der erste französische Sieger in der Lombardei seit Thibaut Pinot im Jahr 2018 ist, womit auch die nationale Erwartungshaltung einmal mehr auf den Kopf gestellt wurde.
An der Startlinie standen am Samstag alle grossen Namen. Nach Como kam zuerst der, den viele Prognosen unter ferner liefen geführt hatten, weil er die einzige Startliste gelesen hatte, die wirklich zählt: das Höhenprofil.
Quellenangabe: AppGamers
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